Zuhören ist schwer

Heute ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie schwer es ist, seinem Gegenüber richtig zuzuhören. Es erfordert sehr viel Disziplin. Ja, ich meine wirklich Disziplin. Bisher habe ich gedacht, dass Konzentration vollkommen ausreichend ist, aber – zumindest für mich selbst – lag ich da wohl falsch.
Warum also muss man sich disziplinieren, um wirklich zuhören zu können? Für meine Person ist die Antwort leicht. Die folgenden Punkte sind daher für mich selbst, aber sicher nicht allgemein gültig.
Wenn ich bei meinem Team bin und mich jemand mit einem Problem anspricht, habe ich wahrscheinlich ziemlich viele Sachen im Kopf, die mich aktuell beschäftigen:
  • diese eine private Sache, die ich für meine Kinder noch erledigen muss – ich habe es ja versprochen
  • das coole neue Smartphone mit dem coolen exotischen Betriebssystem, welches ich mir gerne besorgen möchte, obwohl ich weiß, dass es nach ein paar Tagen im Smartphone-Museum im Keller landet
  • diese Sache, mit der mich mein ScrumMaster-Kollege eben richtig entnervt hat
  • die Aufgabe, die mir mein Chef gegeben hat, obwohl er und ich wissen, dass mich das völlig aus meiner Rolle wirft, die ich im Unternehmen einnehmen soll
Ich vermute, Ihr habt eine grobe Ahnung, worauf ich hinaus will…
Gleichzeit fange ich an, mein Gegenüber einzuordnen. Ich rücke das, was er sagt in einen Kontext, der vielleicht mit seinem Anliegen gar nichts zu tun hat. Ich bewerte ihn quasi, weil er schon die ganze Woche in dieser einen Schublade gesteckt hat. Ich bewerte das, was er sagt: Wie passt es in das Bild, was ich von ihm habe? Passt es zu der Richtung, in die ich das Team gerne bewegen möchte?
Es ist natürlich vermessen zu behaupten, man könnte alle störenden Einflüsse ausblenden, um sich nur auf die Sache selbst zu konzentrieren. Wahrscheinlich gibt es Meditationstechniken, mit deren Hilfe man genau das erreichen kann (Meditation habe ich allerdings für mich selbst noch nicht „entdeckt“).
Vielleicht kann man sich aber selbst dazu bringen, einige der oben genannten Punkte bewusst auszublenden, um so fokussiert und neutral wie möglich in ein Gespräch zu gehen. Genau das meine ich, wenn ich Disziplin sage. Selbstdisziplin. Fokussierung. Genau das tun, was in dem Moment notwendig und wichtig ist – eigentlich also genau einige der Dinge, die wir immer wieder von unseren Teams fordern…
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