Das Schweinchen markiert die Stelle

Bei meinem Arbeitgeber haben die Büros in der Regel vier Sitzplätze. Die Teams, die hier in Softwareprojekten zusammen arbeiten, sind allerdings meist größer – zwischen 6 und 8 Teammitglieder bilden ein Entwicklungsteam. Wir arbeiten nach dem Scrum-Framework, einer Methode, um agile Projekte zu managen. Das bedeutet, dass zusätzlich zu den Entwicklern noch ein Product Owner und ein ScrumMaster (das wäre dann ich) zum Entwicklungsteam dazu stoßen, und – um bestmögliche Zusammenarbeit zu ermöglichen – idealerweise auch sehr nahe beim Team sitzen sollten.

Das Problem: Zu viele Menschen, zu wenig Platz

Das Team, in dem ich aktuell als ScrumMaster tätig bin, umfasst sieben Entwickler. Dazu noch der Product Owner, macht dann acht.
Es passen also alle problemlos in zwei nebeneinanderliegende Viererbüros. Alle?
Natürlich sollte auch ich nah am Team sein, sonst kann ich meine Arbeit nicht vernünftig machen. Meinen festen Sitzplatz habe ich aber im Raum neben den beiden Teambüros. Leider sind die Bürowände weder sehr dünn, noch transparent, so dass ich von dort aus nicht wirklich viel von meinem Team mitbekomme. Doof. Richtig doof.

Variante 1: Kleben bleiben

Zuerst habe ich mich viel zu wenig von meinem Platz weg bewegt (ich sitze am Fenster neben der Heizung, es ist warm und hell, die Kollegen hier im Raum sind sehr nett.). Ergebnis war, dass ich öfter den ScrumMaster für die drei Kollegen hier im Büro gegeben habe (ob die das wollten, oder nicht…) als in meinem eigenen Team. Das hat auch Spaß gemacht, ist aber natürlich nicht der Sinn der Sache.

Variante 2: Dumm rummstehen

Als nächstes habe ich mich bemüht, viel in den Teambüros zu sein. Das war schon besser, allerdings habe ich in diesen Büros keinen Sitzplatz und stehe dann irgendwo rum. Idealerweise ignoriert mich das Team einfach und macht alles so wie sonst. Leider ist das selten der Fall gewesen. Sobald ich den Raum betrat, schauten mich alle erwartungsvoll an („Was will der denn jetzt schon wieder?“) und verfielen in Gespräche. Auch nicht ideal – ich soll und will dem Team die Mittel und Möglichkeiten zu Höchstleistungen geben, stattdessen lenke ich von der Arbeit ab. Nach einer Weile wurde es auch unglaubwürdig, dass die Plakate an der Wand oder das Scrum-Board so interessant sind, dass ich sie jeden Tag sehr lange studiere.

Variante 3: In Bewegung bleiben

Aktuell bin ich bei einer dritten Variante gelandet:
Immer, wenn ein Teammitglied nicht da ist – bei acht Menschen im Team ist regelmäßig jemand im Urlaub, krank oder im HomeOffice – besetze ich dessen Platz. Das hilft mir auf doppelte Weise: Ich bekomme zum Einen wesentlich mehr aus dem Team mit, zum Anderen störe ich nicht, denn nach ein paar Tagen hatten sich alle an meine Rotation gewöhnt.
Ein netter Zusatzeffekt ist noch das regelmässige Krafttraining, denn mein Laptop, welches ich als Arbeitsgerät nutzen darf, ist weder klein noch besonders leicht…
Diese Lösung ist zwar immer noch nicht ideal, aber ein guter Kompromiss. Leider hat meine Rotation bei den Kollegen, die nicht im Team sind, für einige Verwirrung gesorgt („Und, wo finde ich Hauke heute???“).
Also habe ich den „ScrumMaster-Marker“ eingeführt, der jeden Tag auf dem Monitor trohnt, an dem ich aktuell sitze:

Die Lösung: LEGO

Die Moral der Geschichte: Probleme löst man am besten mit LEGO 🙂